Mini-Nationalpark in Favoriten

Am Anfang war es „nur“ naturnahes Gemeinschaftsgärtnern. Entstanden ist dabei eine Art Mini-Nationalpark in Favoriten – mit erhöhter Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren, vermehrten Begegnungen (von Mensch zu Mensch ebenso wie von Mensch zu Tier), extrem gesteigerter Zufriedeheit der BewohnerInnen (menschlich wie tierisch) und sogar mehreren Auszeichnungen.

In der Pioniersiedlung in der Favoritenstraße 235 haben einige Menschen „einfach“ damit begonnen, ihre Wohnanlage und vor allem deren Grünraum aktiv und nachhaltig mitzugestalten. Das ganze ging auf, wurde von Organisationen wie Global 2000 (mit dem Projekt „Nationalpark Garten“) oder der Wiener Umweltberatung unterstützt und entwickelte sich zu einem Vorzeigeprojekt, was sozial-ökologische Partizipation in bestehenden urbanen Siedlungen betrifft.

Die Grünflächen wurden auf naturnahes Gärtnern umgestellt, betreut durch dafür ausgebildete MitarbeiterInnen eines sozial-ökonomischen Betriebes. Brüllende Rasenmäher und dröhnende Laubbläser sind seither Geschichte. So steigerte sich die Artenvielfalt ebenso wie die Begeisterung der Anrainerschaft, so mancher pflanzt jetzt Blumen in den verschiedensten Winkeln der Anlage oder gärtnert in den Gemeinschaftsbeeten direkt vor den Fenstern drauflos. Natur, Umwelt und Mikroklima profitieren davon und das alles erzielte auch öffentlichen Impact: Die Wohnanlage bekam im August 2019 als erste die Plakette „Naturnahe Grünoase“ der Stadt Wien verliehen. Ein kurzer TV-Beitrag von W24 zeigt, was zu gewinnen ist, wenn BewohnerInnen ungebremst ihre grünen Daumen einsetzen und der Umgebung ein bißchen Wildnis lassen düfen.

Um diese Aktivitäten und damit das bisherige Engagement der BewohnerInnen weiter zu unterstützen, hat SOL – „Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil“ – bis Ende 2020 eine Servicestelle nahe der Pioniersiedlung eingerichtet. Es werden weitere gemeinsame Aktivitäten organisiert, Infomaterial wird erstellt und SOL dokumentiert die Entwicklung dieser schlauen Alternative zum gnadenlosen Rasenmähen.

Mehr Details und auch Führungen gibt es bei: SOL-Servicestelle Sapphogasse 20/1 in 1100 Wien, geöffnet Dienstags 10-14 Uhr. Telefon 0680 208 7651, Mail to pionier-oase@nachhaltig.at

Text ♥ lui   © Foto: SOL

Gartenbau statt Garagen-Grau

Ein für 3 Jahre angesetztes Zwischennutzungsprojekt versieht in Ottakring Beton mit Blüten: Die „Garage Grande“, ein aufgelassenes fünfstöckiges Parkhaus Ecke Deinhardsteingasse/Friedrich-Kaiser-Gasse, ist sei Juli (2020) ein Ort zum Experimentieren, Gärtnern, Workshoppen, Diskutieren, Ausprobieren und Menschen-Treffen.

Im Zentrum steht das Thema „Begrünung der Stadt“. Die Erfahrungen der kommenden Jahre sollen der – immer wichtiger werdenden – Begrünung in ganz Wien zugute kommen.

Der Anfang in Ottakring ist schon gemacht: Die ersten zarten Kletterpflanzen wie Kiwi und Hopfen ranken sich entlang der Fassade, im 1. Stock der Garage garteln AnrainerInnen in Pflanztrögen entlang der Fenster und im 3. Stock sind zwei Bienenvölker eingezogen.Was natürlich noch immer viel Platz für weitere Ideen und Umsetzungen läßt.

Betreut wird das Projekt von der Gebietsbetreuung Stadterneuerung, vieles findet in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum green4cities statt.  Ermöglicht hat die Zwischennutzung der Eigentümer, Bauunternehmer Hans-Jörg Ulreich. Gartenbau statt Garagen-Grau auf 2.500 Quadratmetern Fläche – eine tolle Nutzung und viel zusätzlicher öffentlicher Raum für alle. Echt fein!

Die Gebietsbetreuung (GB*) ist jeden Donnerstag von 15 bis 19 Uhr im neuen Grätzel-Treff Deinhardsteingasse vor Ort. Sie informiert, zeigt die Räume her und sammelt neue Ideen zur Nutzung der Garage. Die werden auch gerne per Mail angenommen: garagegrande@gbstern.at

Mehr zu Projekt und Terminen direkt bei der Gebietsbetreuung.

Text ♥ lui   © Grafik: GB*

Einkaufen ohne Verpackung

Wer gerne genau so viel kauft, wie er oder sie gerade braucht, der ist mit Unverpackt-Läden bestens bedient. Aber nicht nur das. Die Einsparung von Verpackungsmüll schont die Umwelt und man signalisiert als KonsumentIn, was man sich beim Einkaufen wünscht.

Ob das Einkaufen in Unverpackt-Läden teurer ist als im Supermarkt? Ja. Und Nein. Es kommt natürlich auf Produktgruppe und Menge an, andererseits aber auch darauf, was man in seine ganz persönliche Kalkulation von Essen, Lebensqualität und Umwelt miteinbeziehen möchte oder kann.

Unverpackt-Läden haben nicht zuletzt wegen der Rücknahme-Logistik von Mehrweg-Gebinden sowie der notwendigen Beratungsqualität einen etwas höheren Personalbedarf. Das schafft Arbeitsplätze und soziale Treffpunkte im Grätzel. Im Unverpackt-Laden gibt es gute Tipps für eigentlich eh fast alles, es finden sich schlaue Alternativen und neue Ideen – oft gepaart mit guter Laune, weil Aha-Erlebnisse einfach Freude machen. Die Waren kommen, wo das geht, aus der (relativen) Nähe. Das schont durch kürzere Transportwege die Umwelt, zudem werden lokale (Bio-)ProduzentInnen gefördert. Und schließlich sind die Abfüllstationen für Lebensmittel einfach schön, da freut sich auch das Auge!

Manche Produkte sind teurer als im Bio-Supermarkt, einige günstiger – nicht zuletzt dadurch, dass man auf Großpackungen verzichten kann. Wer das will, bekommt auch drei Erdäpfel, eine Knolle Knoblauch und ein Achterl Flüssigseife. So sinkt jedenfalls bei Lebensmitteln die Gefahr, Verderbliches wegwerfen zu müssen, wenn man nicht gerade eine Großfamilie hat. Einziger Nachteil: Die Ausrede „Es hat die Schoki leider nur im Großpack gegeben“ gilt hier einfach nicht …

Eine gut geordnete Zusammenstellung  von Unverpackt-Läden in Wien und Österreich findet sich bei Zero-Waste-Austia HIER.

Text ♥ lui

Gutes Essen vergünstigt abholen

Too Good To Go ist eine schlaue Gratis-App: Sie ermöglicht, dass gutes Essen deutlich günstiger ver- bzw. gekauft werden kann als zu normalen Restaurant- und Ladenpreisen. Mit der App sieht man, bei welchen Restaurants oder in welchen Läden wann verbilligte Menüs oder „Überraschungssackerl“ abgeholt werden können. Das schont die eigene Geldbörse und hilft den AnbieterInnen, all ihre guten Dinge an die Frau und den Mann zu bringen – anstatt sie womöglich am nächsten Tag entsorgen zu müssen. Too Good To Go ist damit auch eine gute Alternative zur Lebensmittelvernichtung.

Die App ermöglicht es Betrieben wie Bäckereien, Restaurants, Cafés, Caterern, Hotels oder Supermärkten, ihr zu viel disponiertes Essen zu einem stark vergünstigten Preis rechtzeitig an SelbstabholerInnen zu verkaufen. Die App ist bereits in elf europäischen Ländern in Verwendung. In Wien nehmen unter anderem Nordsee, die Kent-Lokale und viele andere regelmäßig daran teil. Erprobterweise funktioniert das gut, z.B. mit einem Lunch-Paket um 3,99 Euro (statt 12,99 Euro, wenn man im Lokal gebruncht hätte). Sich eigene Gefäße zum Abholen des Essens mitzubringen, wie es die App empfiehlt, ist jedenfalls sinnvoll. Schon damit die Nachspeise nicht versehentlich im Erdäpfelsalat landet …

Hier gehts zum Download der App:

Too good to go im App-Store

Too good to go im Play-Store

„Kostnix“, der Gratisladen

Ohne Geld „einkaufen“, das kann man im Kostnix-Laden im 12. Bezirk in der Ratschkygasse 14, Eingang um die Ecke Erlgasse.

Man kann zwanglos vorbeischauen und aus dem Laden mitnehmen, was man braucht. Außerdem kann man Sachen vorbeibringen, die z.B. zuhause ungenutzt herumliegen und die man sowieso schon längst loswerden wollte. Im Prinzip ist der Kostnix-Laden also ein Lagerraum für Dinge, die abgegeben und gratis weitervermittelt werden. Derzeit gibt es hier unter anderem Bücher, Gewand, Videos, CDs, Geschirr, Haushaltsartikel, Elektrogeräte, Schuhe und noch vieles mehr.

Geöffnet ist Montag, Donnerstag und Freitag jeweils von 15 bis 20 Uhr.

Kost-Nix-Projekte werden von den InitiatorInnen nicht nur als wissenschaftliche Mikro-Experimente verstanden, sondern sie sind Teil einer sozialen Bewegung. Sie sollen ein direkter Beitrag zu einem selbstbestimmteren Leben sein und mittelfristig helfen, ökonomische Zwänge zu reduzieren. Menschen sollen erleben können, dass Teilen und Kooperation eine angenehmere Gesellschaftsbasis abgeben können als Konkurrenz und Konsumdruck.

Nähere Informationen – auch darüber, welche Gegenstände im Kostnix-Laden gerne angenommen werden und wie man die Initiative fördern kann – finden sich auf der Hompage des Kostnix-Ladens.

Text ♥ lui   © Foto: Joham

Bienen eine Bleibe geben

Die nicht-kommerzielle Initiative „Stadtimker“ ist dankbar für Vorschläge, wo man Bienenvölker oder Wildbienen in der Stadt ansiedeln kann. Geeignet sind dafür prinzipiell Plätze, wo die Tiere Ruhe haben – also etwa Dächer und Dachlandschaften, Dachkammern, leerstehende Garagen oder ruhige Ecken auf einem Firmengelände, Hinterhöfe oder Brachen. Für Wildbienen können z.B. eigene Bienen-Hotels auch direkt an einer Hausmauer montiert werden.

Erstes Ziel der „Stadtimker“ ist der Schutz der Völker sowie die Forschung, um regionalspezifische, widerstandsfähige Bienenrassen und Wildbienen-Populationen zu erhalten. Honigerzeugung und Verkauf gibt es über die Stadtimkerei auch, ebenso kann man Patenschaften für Bienen übernehmen oder sich auf der Homepage unter „Impressionen“ für neue Standorte inspirieren lassen.

Wer einen Platz in der Stadt kennt und vorschlagen will, nimmt am besten über dieses Online-Formular mit der Initiative „Stadtimker“ Kontakt auf.

Weitere Detail und Informationen unter www.stadtimker.at

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Seminarkalender für GärtnerInnen

Exkursionen zu Gemeinschaftsbeeten, richtiges Kompostieren, die nächsten Gartenfeste oder wie man ein Hochbeet anlegt: Wer gärtnerisch interessiert ist, findet im Terminkalender des Gartenpolylogs regelmäßig aktuelle Veranstaltungen aus Wien und ganz Österreich.

Auch der Besuch im Netz zahlt sich auf: Gartenpolylog ist ein 2007 gegründeter gemeinnütziger Verein, der das Ziel hat, urbane Gartenprojekte in Österreich zu initiieren beziehungsweise zu begleiten, zu unterstützen und zu vernetzen. Grüne Räume sollen wachsen und als Zentren der Begegnung, Vielfalt und Integration fungieren – für Pflanze und Mensch.

MitarbeiterInnen und UnterstützerInnen sind willkommen, auch andere Initiativen können ihre Veranstaltungen in den Terminkalender einspeisen. Newsletter und weitere Details gibt es unter Gartenpolylog.

Text ♥ lui

Reparatur von Nähmaschinen

Eine seit Jahren erprobte und hervorragende Adresse für erkrankte Nähmaschinen ist die Firma Heller in der Hasnerstraße 34 in Wien-Ottakring. Drei Meister in der Werkstatt und Harald Heller, der das 1961 eröffnete Geschäft in dritter Generation führt, helfen mit Reparatur, Ersatzteilen, Service und Beratung. Und das bei uralten Nähmaschinen ebenso wie bei neuen, bei „Haushaltsmaschinen“ ebenso wie bei Stücken aus der Industrie.

Der Vorteil hier: Wenn die eigene Maschine nicht mehr zu reparieren ist, kann man sich auf die Expertise der Fachleute verlassen. Niemand wird zum Kauf einer neuen Nähmaschine gedrängt. Dazu sind die Meister – wie hier am Bild Dragan Paunovic – viel zu sehr mit Nähmaschinen verbunden. Paunovic beispielsweise, der bei der Firma Pfaff gelernt hat, ist seit mehr als 40 Jahren in der Branche. Seit 1971 repariert er bereits bei der Familie Heller Nähmaschinen, manchmal acht oder zehn Stück am Tag.

Sollte ein Reparaturversuch einmal keinen Sinn mehr ergeben und man braucht eine andere Maschine, dann stehen neue ebenso wie Secondhand-Nähmaschinen zum Probenähen bereit. Harald Heller berät sehr gut, je nach Vorliebe und Bedarf wird ein Modell in der passenden Preisklasse gefunden.

Alles in allem eine starke Empfehlung: Reparieren ist finanziell deutlich günstiger als ein Neukauf, verringert den Müllberg und erfreut (auch deshalb, aber nicht nur) das Gemüt. Wenn die vertraute Maschine, die womöglich noch von Oma oder Tante stammt, nach ihrem Kuraufenthalt in der Werkstatt wieder schnurrt – dann läuft auch die restliche Welt gleich ein bisschen runder.

Öffnungszeiten und weitere Details unter heller.at

Text ♥ lui   © Foto: lui

Werkräume und Reparatur für alles

Reparieren ist eine gute Alternative: Der Müllberg wird nicht gefüttert, das eigene Budget kann geschont werden. Und das Erfolgserlebnis, wenn man selbst etwas repariert hat, ist eine hervorragende Einstiegsdroge für künftige DIY-Fans. Eine Liste von möglichen Werkräumen, professionell oder selbstverwaltet, samt den angebotenen Schwerpunkten findet sich z.B. unter reparaturnetzwerk.at/offene-werkstaetten

Für all jene, die lieber reparieren lassen: Etwa 80 professionelle Reparatur-Betriebe finden sich im „Reparaturnetzwerk Wien“. Nach Eigendefinition kann hier „so gut wie alles“ repariert werden, vom Handy bis zum Möbelstück. Bei Nähmaschinen hat love vienna now das bereits erfolgreich getestet :-)

Das Reparaturnetzwerk wird durch „DIE UMWELTBERATUNG“ betreut und von der Stadt unterstützt. Details unter reparaturnetzwerk.at sowie unter umweltberatung.at

Hinweise für jene, die tiefer ins Detail gehen wollen, finden sich auf RepaNet. Das ist die freiwillige Interessenvertretung der sozialwirtschaftlich ausgerichteten Re-Use-Betriebe, sowie der Reparaturnetzwerke und Reparaturinitiativen. Starker Fokus liegt auf intelligenter, fairer Rohstoffnutzung durch Verlängerung der Lebensdauer von Produkten, auf Schaffung fairer Arbeitsplätze in diesem Sektor und auf der Einbindung der Zivilgesellschaft in den Diskurs über Kreislaufwirtschaft. Auf der Homepage finden sich Tipps, Best Practices und mehr. Details unter repanet.at

Text ♥ lui    Foto © RepaNet Österreich

App gegen Plastikverpackung

Den Herstellern per Knopfdruck sagen, dass man für ein bestimmtes Produkt lieber keine Plastikverpackung möchte: das geht mit der „ReplacePlastik“-App fast ohne eigenen Aufwand. Aber von Anfang an:

Irgendwann bei der x-ten Plastikmüll-Einsammel-Aktion an Deutschlands Küsten war es einigen Menschen zu viel des Schlechten. Es entstand die Initiative „Küste gegen Plastik“. Dort kann man seitdem, ebenso wie unter „Replace Plastik“,  die gleichnamige Gratis-App „ReplacePlastik“ herunterladen und mit ihr von überall für weniger Plastik-Verpackungen eintreten. Und zwar sehr direkt beim Anbieter des jeweiligen Produktes. Die Botschaft kommt damit zielgenau an.

Das Konzept hinter der App: Man scannt den Barcode des betreffenden Produktes ein – mehr ist nicht nötig. Die App selbst generiert daraus automatisch eine Mail-Nachricht an die Herstellerfirma des Produktes und sendet die Mail. Darin wird der  Wunsch der Konsumentin bzw. des Konsumenten nach weniger Plastik als Verpackungsmaterial freundlich-neutral mitgeteilt. Die oft gehörte Erklärung der Hersteller für die zugegeben praktische Plastikverpackung – „Ja aber die KonsumentInnen wollen das doch so“ – verliert damit  immer mehr an Tragkraft.

Was es dazu braucht, ist eine gewisse Deklaration wie bei allen seriösen Petitionen: Vorname, Nachname und Postleitzahl werden erfragt – für den Fall, dass die Echtheit der konstruktiven Kritik von den Empfängern angezweifelt wird.

Bisher wurden für die ReplacePlastik-App mehr als 180.000 Produkte gescannt und mehr als 70.000 Mails – oft auch gesammelt, wenn sie sich bei einem Produkt gehäuft haben – an diverse Unternehmen gesendet. Erfolge werden auf der Homepage veröffentlicht. Unternehmen, die auf die Wünsche der KundInnen reagieren und Plastikverpackungen reduzieren beziehungsweise ersetzen, werden als „Andersmacher“ positiv hervorgehoben. Auch das ist eine gute Idee!

Detailinfos unter https://www.replaceplastic.de/ und https://www.kueste-gegen-plastik.de/

Text ♥ lui